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Ulrike Moutty
Planungsbüro für Feng Shui
Manche Jahre scheinen schwer. Andere drücken. Wieder andere lassen Dinge geschehen, ohne sie zu beschleunigen. Und dann gibt es Jahre, in denen Zeit selbst in Bewegung gerät.
Die Zeit hält weniger. Entscheidungen stehen früher im Raum. Prozesse, die in Bewegung geraten, lassen sich nur schwerer zurücknehmen.
Was sich in den vergangenen Jahren aufgestaut oder verschoben hat, verliert an Haltekraft. Prozesse, die lange in der Schwebe waren, setzen sich jetzt in Gang.
Diese Bewegung kommt nicht von außen. Sie entsteht aus der inneren Logik der Zeit –
und sie scheint unaufhaltsam.
In der östlichen Astrologie erklärt sich die Dynamik eines Jahres aus dem Zusammenspiel klar definierter Wirkkräfte: Element, Zeichen und Zyklusposition.
2026 verbindet das Element Feuer mit dem Zeichen Pferd – eine Kombination, die nicht neu ist, aber nur alle 60 Jahre in dieser Präsenz auftritt.
Feuer (Yang) ist eine Wirkkraft – oft als Element bezeichnet –, die in ihrer Dynamik nach außen wirkt: hell, heiß, anhebend, beschleunigend. Sie bringt Dinge an die Oberfläche und verändert vorhandene Strukturen. Feuer ist eine transformierende Kraft.
Wo Feuer dominiert, verlieren Zwischentöne an Bedeutung. Und vielleicht bringt eben dies Befreiung durch innere Unruhe. Bewegung ersetzt Absicherung.
Ins Spiel kommt 2026 das Zeichen Pferd (ebenfalls Yang). Es ist das beweglichste der zwölf Tierzeichen. Es reagiert sensibel auf seine Umgebung, auf Stimmungen, auf kleinste Impulse. Zwischen Wahrnehmung und Handlung liegt wenig Verzögerung. Richtungswechsel geschehen im Augenblick.
Das Pferd steht für Vorwärtsdrang, Eigenimpuls und Richtungswechsel. Es hält keine Spannung, um sie zu analysieren. Es reagiert, wenn die innere Schwelle überschritten ist.
Was lange in der Schwebe war, will sich jetzt verändern - mitten im Ritt.
Bewegung
ohne Puffer
Jedes Jahr steht innerhalb eines größeren Zyklus – man spricht von einem 60-Jahres-Zyklus.
Das Feuer-Pferd markiert darin den höchsten Punkt der Dynamik: den Moment, in dem Bewegung ihre größte Reichweite entfaltet.
Vergleichbar ist dies mit dem Hochsommer, der Blütezeit der Pflanzen. Ihr Duft, ihre Ausstrahlung sind kilometerweit wahrnehmbar. Ein blühender Kirsch- oder Apfelbaum wird zum Anziehungspunkt für alles, was brummt und fliegt. Bewegung entsteht, Feste werden gefeiert, Begegnungen geschehen – nicht kontrolliert, aus sich heraus.
Ein anderes Bild für diese Dynamik, ist ein Vulkanausbruch: Lange rumort etwas im Unsichtbaren, baut sich auf — und wird plötzlich sichtbar.
Diese Dynamiken der Zeit werden im chinesischen Kalender im Rahmen des 60-Jahres-Zyklus beschrieben. Er entsteht aus der Kombination der zwölf Tierzeichen (Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Ziege, Affe, Hahn, Hund, Schwein) mit den fünf Elementen (Wasser, Holz, Feuer, Erde, Metall) in ihrer Yin- und Yang-Dynamik. So werden wiederkehrende Energiebewegungen erklärbar.
In der östlichen Astrologie wird Zeit als Überlagerung von Sonnen- und Mondrhythmen gelesen.
Der Jahreswechsel folgt daher nicht dem 1. Januar, sondern einer beweglichen Schwelle.
Das Feuer-Pferd-Jahr 2026 beginnt am 17. Februar und endet am 5. Februar 2027.
Zeit wurde lange nicht nur gemessen, sondern erlebt.
Menschen orientierten sich an Jahreszeiten, Licht, Übergängen, Körpergefühl und Wiederholung. Nicht alles wurde sofort erklärt — vieles zuerst wahrgenommen.
Vielleicht liegt darin auch heute etwas Wichtiges:
Sie verstärkt, was innerlich oder gesellschaftlich längst in Bewegung geraten ist.
Daher erleben Menschen diese Zeit als beschleunigend oder überfordernd,
andere als klärend oder stabilisierend.
Beides kann gleichzeitig wahr sein.
Für Menschen, die 1966 im Feuer-Pferd-Jahr geboren wurden, taucht diese Zeitqualität nach 60 Jahren erneut auf - als Resonanz auf einer anderen Ebene. Was damals überwältigend war, begegnet nun mit Erfahrung, Körpergedächtnis und Distanz.
Diese biografische Resonanz ist kein Sonderfall, sondern Ausdruck eines zyklischen Zeitverständnisses: Zeit kehrt nicht identisch zurück, sondern vertieft sich. Alle Zeichen erleben diesen 60-Jahres-Rhythmus.
Viele Menschen spüren derzeit, dass bestimmte Verpflichtungen, Rollen oder Beziehungen innerlich nicht mehr getragen werden können. Nicht unbedingt aus Ablehnung. Und oft auch nicht plötzlich.
Eher entsteht eine wachsende Spannung zwischen dem, was äußerlich weiter funktioniert — und dem, was innerlich keine wirkliche Verbindung mehr hat.
Dadurch lösen sich Dinge, die lange über Anpassung, Verantwortung oder Gewohnheit zusammengehalten wurden.
Vertraute Anpassung weicht langsam einer stärkeren inneren Integrität.
Im chinesischen Verständnis ist Feuer mit dem Herzen verbunden — und mit einer inneren Klarheit, die Richtung gibt.
Vielleicht zeigt sich genau darin eine Qualität des Feuer-Pferdes:
Es verstärkt Bewegung dort, wo Menschen innerlich längst spüren, dass etwas nicht mehr in dieselbe Richtung geht.
Betrachtet man das Jahr wie eine Wetterlage, nimmt die Wärme spürbar zu.
Nicht nur meteorologisch, sondern auch gesellschaftlich und menschlich verdichten sich Prozesse schneller.
Im Außen zeigt sich das in überhitzten Debatten, zugespitzter Sprache, sowie medialer und politischer Erregung.
Die Hitze wirkt auf Körper und Nervensystem.
Sie kann beleben und erschöpfen, beschleunigen und reizen. Reaktionen werden unmittelbarer, Debatten schärfer, Entscheidungen schneller.
Gleichzeitig entstehen oft überraschend konkrete Entwicklungen: Ideen, die lange theoretisch wirkten, finden plötzlich ihren Weg in den Alltag — technische Neuerungen, Erfindungen und kreative Lösungen werden schneller greifbar.
Das Feuer der Begeisterung lodert machmal vergessen im Inneren. Doch dieses Jahr kann diese innere Begeisterung wieder sichtbar werden.
Vielleicht liegt genau darin die Ambivalenz dieser Zeit:
Sie erhöht den Druck — aber auch die Sichtbarkeit dessen, was wirklich in Bewegung kommen will.

Feuer will nicht gedämpft werden – es will geführt werden.
Genau hier kommt Das Element Erde ins Spiel.
Denn das Pferd ist kein reines Feuerzeichen, sondern enthält einen wertvollen Erdanteil.
Erde gleicht aus, kühlt, reguliert. Sie bringt Rhythmus, Boden und Halt. Sie nimmt der Hitze die Spitze und ermöglicht Kontakt mit dem Jetzt. Ohne Erdung verbrennt Erneuerung. Mit ihr wird sie wirksam.
So entsteht eine eigentümliche Spannung.
Das Jahr drängt nach vorn – und verlangt zugleich innere Ausrichtung. Tempo allein reicht nicht. Ausrichtung im Moment wird entscheidend.
Gerade intensive Zeiten zeigen oft, wie schnell Menschen den Kontakt zu Rhythmus, Körper und Alltag verlieren. Dann wird weiter funktioniert, weiter gedacht, weiter reagiert — bis irgendwann nichts mehr wirklich nachkommt.
Vielleicht braucht Bewegung deshalb nicht noch mehr Tempo, sondern etwas, das sie erdet.
Im chinesischen Verständnis bringt das Erdelement genau diese Qualität hinein:
Rhythmus, Halt, Verkörperung und Kontakt mit dem Jetzt.
Ohne Erdung verbrennt Erneuerung schnell.
Mit ihr kann Bewegung Richtung bekommen.
Denn das Pferd trägt neben Feuer auch einen ruhigen Erd-Anteil in sich.
Je beweglicher Zeit wird, desto wirksamer werden Orte, die nicht reagieren.
Nicht als Rückzug vor turbulenten Zeiten oder als Flucht, sondern als Erdung, als Ankommen im eigenen Rhythmus.
Vielleicht kommt hier auch Feng Shui-Gestaltung ins Spiel:
Solche Orte unterbrechen nichts. Sie nehmen auf. Rhythmus, Wiederholung, Naturerfahrung und körperliche Wahrnehmung geben Bewegung ein Maß, ohne sie zu bremsen.
Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Herausforderung dieser Zeit:
Denn das Feuer-Pferd bringt nichts Fertiges hervor.
Es setzt Kräfte frei und bringt in Bewegung.
Oft zeigt sich erst später, was wirklich bleiben kann.
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